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‚Spatzen-Hirne‘ hetzen gegen Intertabac

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Dienstag, 22. September 2015 um 19:50 Uhr

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Mikro-Demo gegen Dortmunder Tabakmesse

Alle Jahre wieder, anlässlich der InterTabac im September, bauen sich unverbesserliche Antiraucher vor den Dortmunder Westfalenhallen auf. Unter der Führung des Berliner Ruhestandsbeamten Johannes Spatz, einem der fanatischsten Kreuzzügler gegen den Tabak hierzulande, verlangt man das Verbot der dortigen Fachmesse der Tabakwirtschaft. Zur „Demonstration“ von Spatz‘ Grüppchen „Forum Rauchfrei“  ist letzten Freitag immerhin doch eine beachtliche Phalanx von rund 20 Leuten aufmarschiert. Eindruck schinden wollte diese Armada offenbar, indem sie sich die meisten weiße Kittel überwarfen.

Intertabac 2015

Bild: (c) Messe Westfalenhallen Dortmund GmbH

Bei anderen sind diese Wutspießbürger immer kleinlich auf Gesetzeseinhaltung (Rauchverbote, Vorl. Tabakgesetz) bedacht, selbst kamen sie hier dem Uniformverbot des Versammlungsgesetzes  bedenklich nahe, bei dem der Gesetzgeber z.B. Braunhemden im Hinterkopf hatte – wenn wir schon gerade bei Antirauchern sind. Mit den gleichartigen Kleidungsstücken wollten die Rauchbefreiten offenbar der gemeinsamen politischen Gesinnung Ausdruck verleihen, dass die Gesundheitsdiktatur zur regieren hat, auch über Branchenmessen und Wirtschaftstätigkeit. Bei meinem Abistreich trugen wir seinerzeit ebenfalls Kittel, Mundschutz und Ähnliches; damit hätte ich mich wohl als Mitdemonstrant bei diesem Mummenschanz beteiligen können, ohne aufzufallen. Der Vergleich hinkt jedoch: Der Abigag damals diente der Unterhaltung und nicht dazu, Menschen unten zu halten.

Denn was früher der Schwarzkittel an doppel- und pseudomoralischer Autorität verkörpert hat, wird heute dem Weißkittel zugesprochen. Jedenfalls, wenn er Public-Health-Mediziner (wie Spatz es in Berliner Behörden war) oder Ärztefunktionär ist und mit vermeintlichen Wahrheiten politische Unterdrückungsmaßnahmen fordert. Einst galt der katholische Priester als Instanz in Sexualfragen, heute traut man den Predigern der Gesundheitsreligion bei Statistiken, Zahlen und Fakten über Rauch und Umgebungsrauch, Alkohol, Ernährung usw.  Bei genauem Hinsehen aber erweist sich die sexuelle Erfahrung des Durchschnittspriesters als recht imposant im Vergleich zur Fachkompetenz und Seriosität unserer „Moralstatistiker“ (Mark Twain)  bei Lebensstilfragen. Man biegt sich die Dinge zurecht, damit sie in die eigene Agenda, hier: die Bekämpfung des Tabakgenusses und der rauchenden Menschen, passen.

Mein alter Mathematiklehrer, um weiter in den bereits angerissenen Erinnerungen zu schwelgen, trug im Unterricht regelmäßig einen weißen Kittel. Was er wohl von den Berechnungen eines Ulrich Keil gehalten hätte? Der WHO-nahe Münsteraner Professor hat dieses Jahr die Spatz-Gruppe mit irgendwelchen Zahlen zu Dortmunder Rauchertoten unterstützt.  In die Geschichte der lobbydienlichen „Forschung“ eingegangen ist er als Erfinder der berüchtigten magischen Zahl von 3.301 jährlichen (erfundenen) Passivrauchtoten in Deutschland, die zur Begründung für Rauchverbotsgesetze herhalten musste. Vom Präventionsmediziner Prof. Romano Grieshaber auf Schwächen und Unklarheiten seines Zahlenwerks angesprochen, verließ er den Saal und knallte die Türe zu.

Aber warum sich mit Argumenten auseinandersetzen, wenn man die Massenmedien auf seiner Seite hat; so hat jüngst der WDR in seiner Lokalzeit Dortmund dem Anliegen Spatzens und seiner Jünger Raum gegeben. Sie wurden in einem TV-Beitrag vom 09. September 2015 als „Experten“ tituliert, denn so nennt man heute die Kaste der übers gemeine Volk Erhabenen. Ferner zeigte der Sender einen Ex-Raucher mit Atemschlauch und implizierte, ein solches Schicksal stünde einem großen Teil der Tabakgenießer dereinst bevor. Und der anfangs verlinkte WDR-Artikel lässt Neutralität ebenfalls vermissen. So kennen wir die ‚ausgewogenen‘ Öffentlich-Rechtlichen mit ihren gutmenschlichen Redakteuren und deren Zeigefingern, die sie tief in unsere Angelegenheiten bohren.

Der Erfolglosigkeit der Spatz-Truppe in Dortmund zum Trotz gehört sie zu einem internationalen Netzwerk der Tabakbekämpfung (Tobacco Control), und hat dazu beigetragen, im vergangenen Jahr eine InterTabac-Tochtermesse in Indonesien verhindern. Näheres dazu in einem frisch erschienenen Artikel bei Novo. In diesem Medium findet sich auch ein älterer Beitrag, der umreißt, wie wenig die Spatzens dieser Welt eine Volksbewegung ‚von unten‘ sind und wie sehr mit dem Staat verwoben.  Dann doch lieber die Taube auf dem Dach.

Christoph Lövenich

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Eingebildeter Geruch vor Gericht

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Montag, 14. September 2015 um 20:12 Uhr

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Rauchen auf der eigenen Terrasse in Dortmund

Dortmund-Grevel, ein idyllisches Kuhdorf am nordöstlichen Rand der einstigen Bier-, Kohle- und Stahlmetropole. Hier könnte man Ruhe finden, aber es darf der Bravste bekanntlich nicht in Frieden leben, wenn’s den bösen Nachbarn nicht gefällt. In einer kleinen Reihenhaussiedlung aus den 90er Jahren lebt das Ehepaar Andrea und Dirk Dowe. Seit einem Autounfall sind beide behindert und erwerbsunfähig. Außerdem rauchen beide, in ihrer Küche und auf der Terrasse. Vor anderthalb Jahren wurden sie auf einmal zur Zielscheibe zweier in Nachbarhäusern lebender Paare. Ein Nachbarschaftsstreit brach los, es wurden Unterschriften gesammelt, wie beim Mobbing auf dem Schulhof ging es gegen die vermeintlich Schwächeren. Die Dowes sollten gefälligst mit dem Rauchen aufhören, da der Rauch auf der Terrasse in die Schlafzimmer der Nachbarn ziehe und der Rauch in der Küche sogar über die Lüftungsklappe der Dunstabzugshaube auf der Vorderseite ins Nachbarhaus dringe. Eine Klage vorm Amtsgericht soll bewirken, dass die Dowes nur noch zu bestimmten Uhrzeiten in ihrem eigenen Garten und im eigenen Innenraum Tabak genießen dürfen.

Ehepaar Dowe

Foto: Ehepaar Dowe (c)

Vermutlich angestachelt über die Berichterstattung über den rauchenden Düsseldorfer Friedhelm Adolfs (den man auch nach Jahren bisher nicht aus seiner Wohnung hat klagen können) , scheinen einige Nachbarn der Meinung zu sein, dass man es mit den Rauchern ja machen könne. Die Antirauchhysterie mit ihren Eingriffen in die Privatsphäre wird so zum Kampfmittel im Nachbarschaftsstreit instrumentalisiert.
Tatsächlich ist kaum anzunehmen, dass der sich an der Außenluft schnell verflüchtigende Rauch sich einer Rakete mit Zielautomatik gleich durch die Fenster der klagenden Parteien bewegt, erst recht nicht zwei Häuser weiter, wo ein Klägerpaar wohnt.
Während die Gerichte es im ursprünglichen Verfahren bei Friedhelm Adolfs über zwei Instanzen versäumt hatten, in eine vernünftige Beweiserhebung zu treten, führte das Amtsgericht Dortmund bei den Dowes und ihren Nachbarn die erforderliche Ortsbesichtigung durch. „Ortserschnüffelung“ wäre vielleicht der treffende Begriff, und am vergangenen Mittwoch fand der Termin nun statt, bei medialem Interesse.  Ein Praktikant und Rechtsreferendar am Amtsgericht mussten auf der Terrasse testrauchen und zwar unnatürlich viel, nämlich ungefähr acht Zigaretten in gut 20 Minuten. Anschließend musste der Praktikant in der Küche ebenfalls eine Zigaretten anzünden und diese teilweise durch die laufende Dunstabzugshaube ausatmen. Die junge Amtsrichterin bemühte sich ihrerseits darum, einschlägige Außen- und Innenbereiche der Nachbarn auf etwaige Geruchsspuren zu testen.

Familie Dowe auf ihrer Terrasse

Foto: Famile Dowe auf ihrer Terrasse (c)

Und was kam raus bei diesem seltsamen Spektakel? Wie der Anwalt der Dowes verlauten ließ und wie zu erwarten war, konnte die Richterin nichts erschnüffeln. Nada, null, niente. Alles eingebildet von Nachbarn, die schon zu husten beginnen, wenn die Dowes auf der Terrasse ein Feuerzeug klicken lassen. Autosuggestion ist eine Macht. Die in anderen Fällen auf anderen Kontinenten schon so weit ging, dass Betroffene behauptet haben, Rauch aus Nachbarwohnungen ziehe durch Steckdosen und Wohnungsböden zu ihnen.
Wie bei einem verhärteten Nachbarschaftsstreit kaum überraschend wollen die Kläger sich damit nicht zufrieden geben und vor einem Urteil weiteren Aktivitäten entfalten.

Küchenfenster der Dowes mit Abzug

Foto: Küchenfenster der Familie Dowe mit Abzug (c)


Die Dowes rauchen weiter. Sie haben allerdings schon erwogen, aufgrund ihrer Behinderungen aus dem mehrstöckigen Haus in ein ebenerdiges Domizil zu ziehen. Für diesen Fall ist geplant und nicht unwahrscheinlich, dass an ihrer Stelle Flüchtlinge Unterkunft im Haus finden. Das wäre gewiss eine Win-Win-Situation: Die Nachbarn könnten ihren Horizont erweitern, indem sie Menschen kennenlernen, die mit realen Problemen – und nicht nur eingebildeten – zu kämpfen haben. Und den Flüchtlingen böte sich ein Einblick in die Abgründe der deutschen Kleinbürgerseele.

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Raucher sind ein Milliardengeschäft für die Allgemeinheit

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Mittwoch, 02. September 2015 um 19:31 Uhr

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Neue Studie zu Kosten des Tabakgenusses

„Rauchen ist gut für die Gesellschaft - zumindest finanziell“ lautet der Titel eines aktuellen Beitrags in verschiedenen Medien. Um 400 Milliarden Euro sollen die Raucher einer aktuellen Studie für die Allgemeinheit günstiger sein, was den Autor des Presseartikels offenbar überrascht. Uns beim Netzwerk Rauchen nicht, wir wissen schon lange, dass die These vom Volksschädling Raucher nicht haltbar ist. Über sämtliche Sozialversicherungen usw. gerechnet, entstehen seitens der Raucher weniger Kosten als durch Nichtraucher, übrigens auch dann, wenn die turmhohe Tabaksteuer nicht mitgerechnet wird. Das sehen auch die Forscher hinter der zitieren Studie, Finanzwissenschaftler vom Karlsruher Institut für Technologie, so, die dann noch von immerhin 36 Milliarden „plus“ ausgehen.

schulle54_Goldstumpen

Bild: schulle54 - Goldstumpen

Und wie wird das rauchenden Menschen gedankt? Mit Stigmatisierung, Pathologisierung, Diskriminierung und dem Versuch, den Tabak ganz vom Antlitz dieses Planeten verschwinden zu lassen.
Die Bekämpfung des Rauchens beruht nach einer Aussage von John Banzhaf, einem namhaften US-amerikanischen Antitabakaktivisten auf drei Säulen: der Gesundheitsgefahren durch das Rauchen (die gerne einseitig dargestellt, überzogen und manchmal konstruiert werden), dem Risiko Passivrauchen (ein komplett erfundener Aberglaube unserer Zeit) und eben der Behauptung, dass Raucher der Gesellschaft auf der Tasche lägen (ganz im Gegenteil!).
Wir wollen natürlich nicht den leider üblichen unseriösen Weg gehen, nur anhand der Medienveröffentlichung über eine Studie zu urteilen. Wir verweisen stattdessen auf den Bereich „Die Kosten der Nichtraucher für die Gesellschaft“  im Wissenschaftsportal von FORCES International mit diversen Quellen zum Weiterlesen.
Wir wollen auch keineswegs den Nichtraucher zum wirtschaftlichen Problemfall erklären. Netzwerk Rauchen verlangt aber ein Ende der unrichtigen Propaganda, die Raucher in völliger Verkennung der Realität  zu Sündenböcken und Parasiten abstempelt. Und eines wird auch ganz deutlich: Die Tabaksteuer gehört sofort abgeschafft! Korrekt und fair wäre im Gegenzug sogar eine weitere Entlastung, etwa durch Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes auf Tabakwaren. Man kann übrigens weitere Milliarden einsparen, wenn man auf Raucherhatz und Tabakbekämpfung verzichtet. Zugleich hat die geradezu einzigartig extreme Gängelung einer Personengruppe, wie die Raucher sie erfahren, ein Ende zu finden. Der Autor eines anderen Artikels aus gleichem Anlass spielt sie herunter, er erwähnt nicht die prohibitive Höhe der Tabaksteuer, die – über Jahre aufsummiert – manche Geldstrafe für Kinderpornobesitzer übersteigt, die kommenden Ekelbilder, die sich krebsartig ausbreitenden Rauchverbote oder das Herumpfuschen der EU im Tabak selbst, was etwa den Geschmack betrifft.
Überhaupt ist auffällig, wie der Journalist seinen Beitrag beginnt. Wenn man heutzutage etwas schreiben möchte, das die Raucher in kein ganz schlechtes Licht stellt, muss man sie offenbar zum Ausgleich erstmal beleidigen: „Sie sind Gefangene ihrer Sucht, haben gelbe Zähne, sind häufiger krank“. Und für derlei primitive Beschimpfungen zahlen die Raucherinnen und Raucher der Gesellschaft auch noch hunderte Milliarden. Zeit, dass sich was ändert.

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Egon Bahr – Rauchen bis zur Bahre

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Montag, 31. August 2015 um 21:43 Uhr

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Nein, das Netzwerk Rauchen bleibt überparteilich und hat keine innige Liebe zur Sozialdemokratie entwickelt, auch wenn nach Willy Brandt und Helmut Schmidt ein drittes SPD-Urgestein an dieser Stelle gewürdigt wird. Egon Bahr, Bundesminister a.D., Freund und Berater Willy Brandts, Architekt der neuen Ostpolitik, starb kürzlich im Alter von 93 Jahren den frühen Rauchertod.

Egon Bahr
Neben dem Pfeifengenuss war er insbesondere als Zigarettenliebhaber bekannt. Wie Helmut Schmidt setzte er sich über kleinliche Rauchverbote hinweg.
Ganz konnte Bahr (bei „normalerweise zehn bis zwölf“ Zigaretten pro Tag) aber nicht mithalten: „Ich bewundere Helmut Schmidt“, sagte er in einem Interview,
„Der raucht nur noch die Hälfte im Vergleich zu früher: 40 Stück am Tag." Heutzutage beschleicht einen übrigens das Gefühl, dass in der Politik immer
weniger (Pfeife) rauchen, aber immer mehr Pfeifen sind.

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Günter Ropohl: Tabak – geschätzt und bekämpft

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Samstag, 29. August 2015 um 21:46 Uhr

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Der Tabakgenuss ist seit einigen Jahren allenthalben in Verruf geraten. Umso mutiger und bemerkenswerter ist das Buch Tabak und Gesellschaft: Vom braunen Gold zum sozialen Stigma, das Beiträge zur Kulturgeschichte dieser umstrittenen Pflanze versammelt. Die Herausgeber Frank Jacob und Gerrit Dworok, Historiker an der City University of New York und an der Universität Würzburg, haben selbstverständlich Recht: Was die Menschen 500 Jahre lang teils gehasst und teils geliebt haben, kann keine „politische Korrektheit“ von heute auf morgen aus dem kollektiven Gedächtnis verbannen – zumal es noch keineswegs gewiss ist, ob den Tabakbekämpfern der beabsichtigte „Endsieg“(1) gelingt.

Tabak und Gesellschaft


In etlichen Beiträgen werden Einzelaspekte der Tabakherstellung und des Tabakgebrauchs in verschiedenen Regionen Europas, in einem Artikel aber auch in Taiwan dargestellt. Da problematisiert Han-Hsiu Chen eine Würdigung des Tabakanbaus als „kulturelles Erbe“ in Taiwan, wobei die Gefahren des Tabakkonsums nicht erwähnt werden; in der Einschätzung dieser Gefahren schlägt sich der Artikel auf die Seite der Anti-Tabak-Bewegung und zieht zum Vergleich auch den vermeintlich unkritischen Umgang mit der Geschichte der Tabakkultur in Nordgriechenland heran.

Einen anderen Blick wirft der griechische Stadtplaner Konstantinos Lalenis auf die Baugeschichte von Kavala, einst Zentrum der makedonischen Tabakverarbeitung, wo das Stadtbild lange Zeit von traditionellen Manufaktur- und Lagerhäusern geprägt war, die teilweise der Modernisierung weichen mussten und teilweise nur unzureichend konserviert wurden. Anders als Han-Hsiu Chen erwartet dieser Autor keine Merktafeln an den erhaltenen Gebäuden, die auf die Risiken des Tabaks aufmerksam machen würden.

Maria Aggeli schreibt über eine andere griechische Region, das Gebiet um Agrinio im Südwesten des Festlandes und schildert anhand eigener Untersuchungen die mühselige Arbeit auf den Tabakplantagen und in den Tabakfabriken, betont aber auch, dass dabei erstmals Frauen in größerem Umfang einer Erwerbsarbeit nachgehen und dadurch gewisse Schritte zur Selbständigkeit und Anerkennung machen konnten. Christos Bakalis schließlich gibt einen umfassenden Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung der Tabakproduktion in Griechenland. Noch vor 20 Jahren nahm der Tabak eine Spitzenstellung im Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse ein, dies teilweise auch darum, weil manche griechischen Pflanzer von den traditionellen „Orient“-Tabaken zu „Virginia“-Arten übergingen, die unter dem Einfluss des US-amerikanischen Geschmacks auf dem Weltmarkt größere Absatzchancen haben.(2) Ebenfalls aus dem Südosten Europas stammt der Beitrag von Emine Tutku Vardağlı, der politische Hintergründe des Tabakumgangs in der Türkei vom 17. bis zum 20. Jahrhundert behandelt. Dabei darf nicht vergessen werden, dass sich die nordgriechischen Tabakanbaugebiete bis Anfang des 20. Jahrhunderts unter türkischer Herrschaft befanden. Als zu dieser Zeit eine Dresdner Tabakfirma den Namen „Yenidze“ annahm – über die Neigung früherer Zigarettenhersteller, ihre Produkte mit der Aura orientalischer Exotik zu versehen, berichtet Swen Steinberg –, war das nichts anderes als die türkische Bezeichnung für das griechisch-makedonische Giannitsá, einen Ort, wo noch heute ein besonders aromatischer Tabak kultiviert wird.

Aus Osteuropa schließlich berichtet Alexander Friedman über den Tabakkonsum in der Sowjetunion. Das Rauchen war dort unter Männern sehr verbreitet, rauchende Frauen dagegen erregten moralischen Anstoß. Der Autor erwähnt die Vorliebe für kaum erhältliche amerikanische Zigaretten, die sich erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion mit dem Vordringen amerikanischer Konzerne verbreiteten, schildert die Beliebtheit von Markennamen, in denen sich die Weltraumbegeisterung der russischen Bevölkerung widerspiegelt, und zeigt, dass Gesundheitskampagnen gegen die „Rauchwaren“, meist unter der Ägide nichtrauchender Machthaber eingeleitet, nur geringe Resonanz fanden.

Wie in Russland ist die Raucherfrage fast immer und überall auch eine Geschlechterfrage gewesen. Otto Ulbricht geht der Frage nach, wie sehr rauchende Frauen im Deutschland vor 1800 verbreitet waren. Trotz magerer Quellenlage kommt er zu differenzierten Schlussfolgerungen und meint, unter den älteren Frauen sowohl der Ober- wie auch der Unterschicht habe es durchaus den Konsum von Schnupf- und Pfeifentabak gegeben – über unterschiedliche Varianten des Schnupftabaks im protestantischen Norden und katholischen Süden unterrichtet übrigens Jörg Pannier –, während wohl im Bürgertum, zumindest nach diesbezüglichen Schriften, die patriarchale Unterdrückung solch „unweiblichen“ Verhaltens vorgeherrscht habe. „Die deutsche Frau raucht nicht“, haben bekanntlich noch die Nazis postuliert, und erst heute sorgen sich die Tabakbekämpfer(-innen) um die allgemeine Gleichstellung, indem sie allen Menschen, Frauen wie Männern, das Rauchen verbieten wollen.

Bei der Herstellung der Tabakerzeugnisse hat man allerdings die Frauen immer gebraucht, denen das, wie im griechischen Beispiel, manchmal durchaus zugutekam. Andererseits berichten Elisabeth Schöggl-Ernst und Manuela-Claire Warscher aus der österreichisch-ungarischen Monarchie sowie Bernd Hüttner aus Bremen von den sozialen Problemen, denen die Tabakarbeiterinnen meist ausgesetzt waren. Sie übten gering entlohnte Tätigkeiten unter männlicher Aufsicht aus, hatten die auch heute noch verbreitete Doppelbelastung von Berufs- und Familienarbeit auszuhalten und litten im traditional geprägten Milieu unter der sozialen Geringschätzung     
der Frauenarbeit, die gleichwohl in vielen Familien für das wirtschaftliche Überleben unumgänglich war. Gegen unzumutbare Benachteiligungen haben auch weibliche Arbeitskräfte, keineswegs immer so gefügig, wie es das Geschlechterstereotyp wissen will, hin und wieder aufbegehrt.

Zwei Beiträge befassen sich mit der ästhetischen Seite der Tabakkultur. Auf der trivialen Ebene geht Hiram Kümper den Zigarettensammelbildern nach, die er als kollektives Bildgedächtnis der Gesellschaft würdigt. Solche Bilder lagen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Zigarettenpackungen bei und wurden vor allem von Kindern und Jugendlichen in eigenen Sammelalben aufbewahrt und später, so die These des Verfassers, an die Nachgeborenen weitergegeben. Die Themen reichten von der Naturkunde und Geschichte bis zur Malerei, erhielten aber in der Nazizeit und in der frühen DDR auch politisch-ideologischen Einschlag. Agnes Thum widmet sich in einem kunstgeschichtlichen Beitrag ausgewählten Portraits, die Künstler von sich selbst in Raucherpose gemalt haben.

Die Beiträge des Buches, in Stil, Methode und Niveau durchaus unterschiedlich, sind lesenwerte Mosaiksteine zu einem soziokulturellen Gesamtbild der Tabakgeschichte, die in der Anordnung des Abdrucks keiner nachvollziehbaren Systematik folgen (und darum hier in abweichender Reihenfolge besprochen wurden). Wenn sich freilich jene Tendenzen fortsetzen, die Christoph Lövenich zur Tabakregulierung in Deutschland kenntnisreich und kritisch darstellt, dann könnte die Geschichte der Tabakkultur bald zu Ende sein. Eine aggressive Koalition von Gesundheitsfunktionären und hysterischen Tabakgegnern hat mit Hilfe des Gesetzgebers schon jetzt den Rauchgenuss aus weiten Teilen der Öffentlichkeit verbannt und zwingt die rauchenden Menschen zu schwerwiegenden Einschränkungen ihres Lebensstils, die den Grundsätzen einer liberalen Gesellschaft völlig widersprechen. Ob die gegenwärtige Tabakprohibition, wie so manche anderen in früheren Zeiten, wieder nur eine Episode bleiben wird, steht dahin.

Jedenfalls betonen die Herausgeber in ihrer Einleitung und Hans-Jörg Schmidt in einem grundlegenden Beitrag, dass Tabak weit über seine physischen Effekte hinaus immer auch als „Medium des Sozialen“ fungiert hat. Sei es, dass er als Distinktionsmerkmal dieser oder jener Schicht gegolten hat, seien es die Verständigungsrituale unter Fremden oder Freunden, die zudem eine hundertjährige Filmgeschichte unauslöschlich in das kollektive Gedächtnis eingeschrieben hat, oder sei es der antiautoritäre Gestus, den anpassungsresistente Menschen damit immer wieder inszeniert haben – der Tabakgebrauch hat beträchtlichen Teilen der Gesellschaft sein Signum aufgeprägt. In einer tabaklosen Gesellschaft würde mithin nicht nur der Tabak fehlen, sondern auch vieles andere, was zuvor das menschliche Zusammenleben geprägt hat. Zwischen den Zeilen erinnert dieses Buch an die gesellschaftlichen Weiterungen einer Tabakbekämpfung, die über der Gesundheitsbesorgnis alle anderen Werte ignoriert.

Allen wissbegierigen und nachdenklichen Menschen empfehle ich dieses vielschichtige Buch. Wem der stattliche Preis – allerdings bloß der Gegenwert von 15 Päckchen Zigaretten – missfällt, wird, da nicht nur das Papier, sondern auch der Inhalt alterungsbeständig ist, wohl auf die späteren Sonderangebote im Modernen Antiquariat warten müssen.


Prof. Dr.-Ing. Günter Ropohl ist Technikphilosoph und -soziologe, er lehrte bis 2004 Allgemeine Technologie an der Universität Frankfurt/Main. In den vergangenen Jahren engagierte er sich und publizierte vermehrt zum Thema Tabakrauchen.

Frank Jacob, Gerrit Dworok (Hg.): Tabak und Gesellschaft: Vom braunen Gold zum sozialen Stigma, Nomos Verlag,  Baden-Baden 2015, 406 S., 78 € (D), ISBN: 978-3848716289

Inhaltsverzeichnis


(1) Der englische Begriff „Endgame“ ist in Kreisen der Tabakbekämpfung gebräuchlich, siehe z.B. „The Tobacco Endgame“, Themenbeiheft der Zeitschrift Tobacco Control, Mai 2013.

(2) Der Rezensent, ein Liebhaber des besonders aromatischen griechischen Tabaks, beklagt, dass diese Wandlung auch in Deutschland stattgefunden hat, wo Zigaretten aus „Orient“-Tabak, anders als in den Jahrzehnten vor dem Zweiten Weltkrieg, kaum mehr zu bekommen sind, und wo wenig durchdachte gesetzliche Regelungen, dem europäischen Grundsatz des freien Warenverkehrs zum Trotz, die private Einfuhr griechischer Zigaretten auf dem Versandweg verunmöglichen.

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