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Zé do Rock: jede sekunde stirbt ein nichtraucher. a lexikon üba vorurteile un andre teile, A1Verlag, 2009, 272 Seiten, € 18.80 (D) ISBN 978-3-940666-11-6

jede_sekunde_stirbt_ein_nichtraucherDrei Bücher und jüngst seinen zweiten Film hat der aus Brasilien stammende Schriftsteller und Regisseur Zé do Rock bereits vorgelegt, das vierte Zeugnis seiner literarischen Schaffenskraft liegt diesen Monat druckfrisch in den Buchläden. Der Weltenbummler, der über 120 Länder der Erde bereist hat (das lässt auch manchen langjährigen Außenminister vor Neid erblassen) und davon in seinen oft autobiographisch angelegten Werken beredt Auskunft zu geben weiß, lebt mittlerweile seit Jahrzehnten in München, der „preussisheste[n] stadt in Deutshland“ (S. 246) und ist dort „zu einer Art braso-bayer geworden“(S. 17).

Wer jetzt anhand dieser Zitate auf die Hilflosigkeit eines Immigranten im Umgang mit der deutschen Sprache schließt, liegt meilenweit daneben. Do Rock betätigt sich seit seiner Jugend als Sprachtüftler, der eine eigene Kunstsprache entwickelt hat und sich leidenschaftlich der Vereinfachung der deutschen (und der englischen) Sprache widmet. Seine Bücher verfasste er in verschiedenen Varianten der Sprache seiner Wahlheimat: Im Ultradoitshen, einer weitgehenden Simplifizierung, im Wunschdeutschen, einer gemäßigt reformierten Form, die auf Abstimmungen des Publikums bei zahlreichen Lesungen basiert, auf Siegfriedisch, einem konsequent fremdwortlosen Germanisch und auf Kauderdeutsh, dem Kontrastprogramm hierzu. Letztere Spielart, ein internationalisiertes Deutsch, kommt auch im neuen Buch wieder zum Tragen, neben dem am einfachsten lesbaren Wunschdeutsch und einer Neuschöpfung namens Kokokuke-Deutsch, das auf der „unseriösen“ Steigerung des Ultradoitshen in seinem Erstling gründet. Bei wem nun Verwirrung eingetreten ist, der sei auf den zehnseitigen sprachlichen Anhang des Buches verwiesen.
Dem Eindruck, wir hätten es hier mit einem verbissenen Sprachkämpfer im Stile mancher hiesiger Germanisten zu tun, muss auch mit Entschiedenheit entgegengetreten werden. Zé do Rock ist in allen seinen Facetten – als Literat, Vortragender und Filmemacher – ein Entertainer und Spötter im besten Sinne, herzlich-humorig und gleichermaßen von beißend-scharfem Witz.

Zé do Rock – fast undenkbar ohne Berichte aus anderen Ländern und Kulturen. So ist auch dieses Buch wieder gespickt mit Reiseberichten. Diesmal mit explizitem Verweis auf die Situation für auchende Touristen vor Ort. Wer also erfahren möchte, wie es in Algerien („nullo probleme“, S. 10), Bosnien-Herzegowina, Südafrika, Österreich („unliberal für Weltverhältnisse, für westliche Verhältnisse liberal“, S. 12) zugeht oder sich für das Rauchen auf Kuba, Westsamoa, Kiribati und den Fidschi-Inseln interessiert, wird vom Autor bedient.

Wahre und ins Fiktive gleitende Geschichten über unterschiedliche Begebenheiten aus seinem Leben erfreuen als kurzweiliger Lesegenuss. Im Stile eines Wörterbuches präsentiert er immer zwischendurch unter den verschiedenen Buchstaben des Alphabets Begriffsdefinition ganz eigenen Geschmacks. So versteht er unter Heirat das „enscheidungsgremium bei raubfischen“ (S. 106), unter Kakalak eine „aus fekalien herstellet autofarb“ (S. 110) und der Gemeinplatz ist für ihn „kleina park wo sich böse leute treffen“ (S. 92). Die Erläuterung des Wortes Eierlikör bleibt hier der Phantasie oder besser der Lektüre des Buches überlassen.

Als roten Faden stellt Zé do Rock jedoch ein tiefernstes Thema in den Mittelpunkt seines neuen Werkes, das Abrutschen unseres Planten in ein „neues sichaheits- un gesundheitsmittelalter“ (S. 7). Er bekennt freimütig – heutzutage fast schon mutig: „Ich lebe lieba 75 jahre mit qualmen, trinken, süßigkeiten, saftigem fettem essen, fleisch, kaffee, denn 100 jahre ohne. Und find auch nicht, dass das a charaktadefizit is“ (S. 16).

Als Hauptanlass seines Engagements fungierte der Umstand, dass weitreichende gesetzliche Rauchverbote vor fast zwei Jahren auch den Freistaat Bayern erreichten.
Schlagartig wurde der Kulturschaffende zum gesellschaftlichen Aktivisten: In München führte er fast im Alleingang einen mehrtägigen originellen Infostand durch, wo er für Toleranz und den Abbau von Vorurteilen warb. Denn ohne diese wären die modischen Feldzüge gegen den Genuss nicht denkbar.

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